Tenyo

Die ungewöhnliche Geschichte einer Trick-Marke

Tenyo-Kunststücke sind in der Regel nicht für die Bühne oder auch eine Vorführung vor mehreren Personen gedacht. Es sind Kunststücke für eine Vorführung am Tisch, Mikromagie oder (wie man heute sagt) Close Up. Das bedeutet sinngemäß „Ganz nah dran“. Und damit wird auch eines der Prinzipien von Tenyo dokumentiert: Die Untersuchbarkeit oder Undurchschaubarkeit des Kunststückes, selbst wenn man ganz nah dran ist. Besser noch: Die meisten Tenyo-Kunststücke sind bestens geeignet, dass man sich als Zauberkünstler selbst etwas damit vorzaubert. Raffinierte Technik, speziell angefertigte Requisiten – wenn auch aus Plastik – und in der Regel tatsächlich ein magischer Effekt. Natürlich entspricht nicht jeder Tenyo-Trick diesen Kriterien; die frühen waren eher Standard-Requisiten, aber später entwickelte die Firma enormen Ehrgeiz bei der Qualität der Effekte und Techniken und hatte damit letztlich auch weltweit Erfolg.

Warum tenyo für Sammler interssant ist

Eher ungeplant hat Tenyo mit seiner Vertriebs- und Entwicklungsstruktur die Grundlage dafür gelegt, dass heute Sammler diese Produkte weltweit suchen und zusammentragen. Jedes Jahr vier Kunststücke, nummeriert und mit expliziten Verpackungen und Erklärungen sind im Gegensatz zu vielen anderen Zaubergeräten immer eindeutig als Tenyo erkennbar und zuortbar. Es gibt natürlich neben den Standardtricks noch unzählige Besonderheiten: Spezialausgaben für Disney, Sonderausgaben als Geschenk, Zauberkästen, Lizenzausgaben und andere Absonderlichkeiten – aber das macht das Sammeln um so spannender.

Richard Kaufmann hat mit seinem Mammutwerk Tenyoism den Sammlern einen Katalog an die Hand gegeben, an dem sie sich orientieren können – ein bemerkenswertes Werk, das nur wegen der Tenyo-Sammlerszene entstehen konnte.

Tenyo in der Stiftung Zauberkunst

Die Stiftung Zauberkunst hat eigentlich nie geplant, eine Tenyo-Sammlung aufzubauen. Tatsächlich waren aber in fast allen Nachlässen, die wir erhalten haben, Tenyo-Kunststücke enthalten. Und diese zeichnen in der Gesamtheit ein faszinierendes Bild der Entwicklung der Amateurzauberkunst im letzten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Oftmals sind bekannte Prinzipien klug verarbeitet und populäre Effekte weiter verbessert worden. Von daher haben wir irgendwann angefangen, Tenyo-Kunststücke, die wir noch nicht hatten, in die Sammlung aufzunehmen. 

Allerdings ist Tenyo als Fachsammlung bei der Stiftung Zauberkunst erst durch Thorsten Rosenthal aus Olpe, der als Kurator diese Teilsammlung betreut, bearbeitet, sortiert und als Informationsquelle für andere veröffentlicht worden. Thorsten hat in unserem Lexikon verschiedene Artikel zu Tenyo veröffentlicht, insbesondere auch zu den einzelnen Kunststücken.

Die Arbeit ist noch lange nicht beendet und es gibt noch einiges zu tun und zu schreiben. Aber wer sich für Tenyo interessiert, der sollte einen Blick ins Lexikon werfen oder sich die Sammlung vor Ort in Appelhülsen einmal zeigen lassen. Am Besten von Thorsten selbst.

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